Mit dem Kinderwagen nach Paris

Während meiner ersten Wanderung im Jahr 2013 von Velden zum Walchensee musste ich feststellen, dass die zusätzliche Ausrüstung für Übenachtungen im Zelt bei langen Distanzen zur Qual wird. Der Rucksack dann mit ca. 17 - 20 kg einfach zu schwer.

Ab 30 - 40 Km Laufstrecke machte sich jeder Knochen im Körper sehr schmerzhaft bemerkbar.

Daher suchte ich nach einer Alternative. Über einen Sackkarren oder einen Einkaufswagen kam ich auf einen Joggingkinderwagen.

Ein super Transportfahrzeug, welches zu einem gewissen Anteil auch von der Fa. Thule gesponsert wurde! Vielen Dank dafür.

Der einzige Nachteil, er ist für steile und unwegsame Wanderwege nicht geeignet und so passte ich die Route meinem neuen "Reisebegleiter" entsprechend an.

Mein Ziel für das Jahr 2014,  Paris, Entfernung geschätzte 800 Kilometer.

Von Velden aus ging es durchs Trubachtal über Forchheim, Pommersfelden, Steigerwald, Volkach und Lohr am Main, durch den Spessart, Odenwald, Worms a. Rhein, durch die Rheinebene, über den Hunsrück nach Bernkastl an der Mosel. Die Mosel entlang über Trier bis Thionville, in Frankreich, südlich von Verdun durch endlose riesige Felder. Dann an der Marne entlang durch die Champagne, nach Chalons-en Champagne, Epernay, Chateau-Thierry, Meaux. Ab hier am wundeschönen Canal L’Ourcq entlang, bis ins Zentrum  von Paris.

In Deutschland konnte ich weitgehend die gut beschilderten Fahrradwege benützen.  Um Täler etwas abzukürzen, folgte ich Forst- und Feldwegen.

Die Route in Frankreich konnte ich nur ungefähr vorausplanen, daher zog ich in einer Übersichtskarte eine Linie quer bis Paris, an dieser orientierte ich mich bei der Benützung meiner Detailkarten.

Ein GPS habe ich bewusst nicht verwendet, ich wollte sehen, was links und rechts neben der Strecke lag.

In Frankreich bewegte ich mich auf vielen kleinen und sehr wenig befahrenen Straßen.  Auch kurze Teilstücke auf etwas verkehrsreicheren Wegen waren kein Problem. Die Französische Autofahrer verhielten sich äußerst rücksichtsvoll gegenüber Radfahrern und solchen wie ich mit Kinderwagen. Unter Verwendung von Google Earth brachte meine Frau zuhause alle fehlenden Infos in Erfahrung, z.B. Einkaufsmöglichkeiten, Campingplätze, befahrbare Wald- Feldwege usw. und gab die Ergebnisse per Handy an mich weiter.

Auch das Übernachten mitten in der Landschaft war in Frankreich überhaupt kein Problem.

Die letzten 100 Km ging ich ab Meaux am Canal L’Ourcq entlang. Wunderschön, er ähnelt dem Ludwigskanal im

Nürnberger Land.

Meine Frau Susanne, die mir diese Freiheit gewährte, mich von zuhause aus aufs Beste unterstützte, kam am vorletzten Tag meines Trips mit dem Zug nach Paris.

Ich erreichte an diesem Tag nach 42 km gerade noch rechtzeitig den Bahnhof Gare de l’Est um sie mit einigen Tränen in den Augen nach so langer Zeit in die Arme zu schließen. Am nächsten Tag gingen wir dann gemeinsam die letzte Etappe zum Arc de Triumph, meinem Ziel. Es war ein sehr bewegender Moment und die Krönung unserer Anstrengungen.

 

Die Daten der Wanderung:

Startpunkt:  Velden bei Hersbruck

Zielpunkt:   Arc de Triumph, Paris

Zurückgelegte Strecke:   1084 Kilometer

Benötigte Zeit:   32 Tage

Gestartet am:   12.8.14

Ziel erreicht am:  13.9.14

Tägliche Laufstrecken:   30 bis 54 km,  ca. 7-10 Std. pro Tag im „strammen“ Walkingtempo.

Wetter:   Obwohl August, die ersten zwei Wochen jeden Tag Regen, windig und kalt, in Frankreich dann bestes Spätsommer Wetter.

Mein treuer Begleiter, der ideale Weggefährte.

Der Hunsrück verlangte mir einiges ab.

Obwohl August, war es neblig, nass und kalt. Viele Kilometer ging es nur bergauf und danach genauso bergab.

Mit schmerzenden Knien bereute ich sehr oft, dass mein Gefährte keine Bremsen hatte.

 

 

Mein meist bevorzugtes Mittagsmenü.

 

Einer der schönsten Abschnitte war natürlich das Tal der Mosel. Auf einem perfekt ausgebauten Fahrradwegenetz und endlich Sonnenschein war es ein Genuss hier entlang zu schlendern.

Meine Märchenwiese im Spessart, es gab sogar eine Quelle.

Nach 31 Tagen und 1084 Km erreichte ich die Champs Elysee und mein Ziel, den Arc de Triumph.

Bei dieser letzten Etappe wurde ich von meiner Frau begleitet, die zu "Endspurt" nach Paris kam. 

Es war ein sehr bewegender Moment und die Krönung meiner, nein unserer langen Reise.